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Schülerforum zum Thema Flüchtlinge an der Rudolf Steiner-Schule Nürnberg

Risaaq NurDie UNESCO-Gruppe der Rudolf Steiner-Schule Nürnberg hat die zur Zeit in den Medien allgegenwärtigen Nachrichten über Flüchtlinge zum Anlass genommen, einen Mitarbeiter der Schule, der selbst vor 30 Jahren als Flüchtling aus Somalia nach einer langen Odyssee nach Deutschland kam, zur Schulgemeinschaft sprechen zu lassen. Risaaq Nur, der heute als Koch gemeinsam in einem Team für die Schülerverpflegung in der eigenen Schulmensa zuständig ist, nahm das Angebot gerne an und erzählte den vielen Hundert versammelten Schülerinnen und Schüler von seiner abenteuerlichen Flucht und wie er Deutschland und Europa anfangs empfunden hatte.

 

„Es war lebensgefährlich geworden"
Alleine bis er nach Deutschland gelangte, brauchte es Jahre. Schweden, Frankreich und die Schweiz waren seine Stationen gewesen. Überall war sein Asylantrag abgelehnt worden. Es war eine Flucht über Jahre hinweg. Warum er denn geflohen sei? will ein Schüler wissen. Nur schildert die Situation in seinem Land, bevor er floh. „Es war plötzlich eine sehr aufgeladene Stimmung überall. Man musste ständig befürchten, in Straßenkämpfe verwickelt zu werden. Es war Bürgerkrieg und dadurch lebensgefährlich aus dem Haus zu gehen." So wie ihm ging es seiner ganzen Familie. Von den fünf Geschwistern leben vier im Ausland.

Nur ist ein herzlicher Mann. Er lacht viel. Anfangs ist es ihm schwer gefallen in Deutschland zurecht zu kommen. Hier hatte man ihm endlich den Asylstatus zugesprochen, hier konnte er bleiben.

 

 

„Verstehen, wie dieses Land funktioniert"
Obwohl Nur in Somalia Abitur gemacht und studiert hatte, war ihm die Integration in Deutschland nicht leicht gefallen. „Ich habe sehr, sehr lange gebraucht, um zu verstehen, wie dieses Land funktioniert", schildert er seine Misere. „Wenn ich jemanden gehabt hätte, der mir etwas erklärt, der mich an die Hand genommen hätte im übertragenen Sinn, wäre alles so viel leichter gewesen", sagt er und macht damit auch deutlich, wie hoch seine Integrationsbereitschaft gewesen war. Wenn man ihm denn von Anfang die Chance dazu gegeben hätte.

Heute, Jahrzehnte später, hat Nur seine Heimat in Nürnberg längst gefunden, Arbeit und Familie, ein funktionierendes Umfeld, nicht zuletzt durch die Rudolf Steiner-Schule, wo er persönliche Wertschätzung erfährt und viel Respekt für seine Arbeit.*

 

In anschließenden Kleingruppengesprächen entwickelten die Schüler Ideen, wie sie in den in Schulnähe liegenden Flüchtlingseinrichtungen aktiv werden können und es wurden erste konkrete Schritte in Zusammenarbeit mit bereits bestehenden Helferkreisen z. B. der kirchlichen Gemeinden geplant.

 

* Der kursiv geschriebene Text ist ein Vorabdruck von Geoffrey Glaser aus dem
Arbeitskreis „Öffentlichkeitsarbeit" und wird demnächst in unserer Schulzeitung
erscheinen.