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Projekttag Flucht und Asyl am Regental-Gymnasium Nittenau

Ein Projekttag, wie er am 17.12. am Regental-Gymnasium Nittenau stattfand, ist etwas ganz besonderes. Sinnvoller und spannender hätte er nicht gestaltet werden können, der Tag zum Thema „Flucht, Asyl und Integration". Die Thematik könnte aktueller nicht sein: wieso flüchten Menschen auf der ganzen Welt? Welche Hürden müssen diese Menschen überwinden? Wie sieht sie eigentlich aus, die Kultur und Lebenswelt der Menschen, die zu uns kommen, um Schutz vor Krieg und Terror zu finden?

 

Mit diesen und weiteren Fragen setzten sich alle Schülerinnen und Schüler des RTG einen
ganzen Vormittag lang intensiv auseinander. Wie fühlt man sich, wenn man plötzlich alles hinter sich lassen muss? Wieviel Leben und Erinnerung passt in einen Rucksack? Über die wichtigsten Gegenstände, die in das Reisegepäck hinein müssten, sind sich die Schüler einig: Handy, Kleidung, Andenken, persönliche Gegenstände, Bilder. Und dann? Was passiert auf dem langen Weg in die neue Welt? Werde ich heil ankommen? Wird man mich gut aufnehmen? Was geschieht mit den Personen und Dingen, die ich schmerzlich zurücklassen musste?

Projekttag Flucht und Asyl  Projekttag Flucht und Asyl  Projekttag Flucht und Asyl  Projekttag Flucht und Asyl

 

Diese Fragen muss sich auch Yohana stellen. Inmitten von Schülern der Q12 und Mitbewohnern aus dem Haus des guten Hirten in Schwandorf genießt sie ein deutsches Frühstück. Das 17-jährige Mädchen aus Eritrea floh vor einigen Monaten mit Freundinnen nach Europa. Ihre Eltern hat sie erst informiert, als sie schon längst unterwegs war. „Meine Mama hätte mich nie gehen lassen!", lächelt das schüchterne Mädchen, das davon träumt, als Friseurin in Deutschland zu arbeiten. Hazem, Aeden, Mostafa: tapfer sind sie alle, die unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge, die derzeit in Schwandorf mit insgesamt 30 anderen Jugendlichen vorwiegend aus Syrien, Afghanistan und Eritrea leben. „Ich finde Deutschland schön, und die Sprache ist auch gar nicht so schwer", meint einer von ihnen. Zunächst sind sowohl die jungen Gäste als auch Gastgeber des Frühstücks unsicher, doch schon bald werden erste Facebook-Kontakte ausgetauscht und Pläne für gemeinsame Unternehmungen wie ein Fußball-Turnier oder ein Shopping-Nachmittag geschmiedet. Freundschaft über Grenzen hinaus.

 

„Yā, alif, nūn" – ganz einfach kann Jan aus der 7. Klasse jetzt seinen Namen auf Arabisch schreiben. Während die Oberstufe in der Aula einem interessanten Vortrag über das Leben und die Politik Syriens zuhört, bewundern die Schüler der 7. Jahrgangsstufe in den Zimmern nebenan die schönen, geschwungenen arabischen Schriftzeichen, die Mehmet Sunca an die Tafel schreibt. Der 25-Jährige, der als Kind aus dem Grenzgebiet der Türkei zum Irak und zu Syrien geflohen ist, erklärt den interessierten Schülern nicht nur die „arabischen" Zahlen von 1-10, sondern liefert auch spannende Einblicke in die Kultur seines Herkunftslandes. „Ein Mann wird im arabischen Raum nie mit dem Nachnamen angesprochen, das gilt als unhöflich", erklärt Mehmet, dessen Muttersprachen Türkisch und Arabisch sind. „Man nennt ihn immer ‚Vater von ...'. Wenn man nicht weiß, ob er überhaupt Kinder hat, sagt man einfach ‚Vater von Mohammed', das passt immer", lacht Mehmet. Geduldig schreibt er jedem Kind seinen Vornamen in arabischer Schrift ins Heft. Stolz werden die Zeichen nachgemalt. Die erste Begegnung mit der reichen arabischen Kultur ist geglückt.

 

„Kein Mensch flieht freiwillig. Jeder flieht, weil er fliehen muss!" Die Worte ergreifen Schüler und Lehrer, die die Theateraufführung „Enisas Tagebuch" im abgedunkelten Musiksaal verfolgen. Nur mit ihren Personen und einer Beamerprojektion im Hintergrund stellen Anna Günther und Armin Kind die authentische Geschichte des Roma-Mädchens Enisa dar. Sie zeigt besonders deutlich, dass uns jede Flucht angeht und angehen muss. „Enisas Tagebuch" will durch Aufklärung Verständnis und Mitmenschlichkeit wecken, damit Fremdenfeindlichkeit und Rassismus keine Chance haben. Eine Chance auf den Titel „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage" hat das Regental-Gymnasium nach diesem gelungenen Projekttag allemal. Die Unesco-Ag betreute beim Projekttag einen Stand, bei dem sich jeder Schüler durch seine Unterschrift diesem Ziel verpflichten konnte.

 

Material zu diesem Projekt im internen Teil unter Unterrichts-/Projektmaterial