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"The Danube - life along the riverside“: St.-Bonaventura-Realschule Dillingen, Ludmilla-Realschule Bogen, Spojená škola Bratislava

Bratislava_Hrad

Im Rahmen des "Blue Danube River Projects", einem Netzwerk von UNESCO-Projektschulen aus allen Anrainerstaaten der Donau, reisten Schülerinnen und Schüler der St.-Bonaventura-Realschule Dillingen und der Ludmilla-Realschule Bogen für drei Tage nach Bratislava, um dort zusammen mit Schülern der Spojená škola, einer Mittelschule für chemische Berufe, in zahlreichen gemeinsamen Aktionen und Workshops das Thema "The Danube- life along the riverside" zu erarbeiten. Der Focus war dabei auf das Wahrnehmen und Erleben von Natur und Kultur, das Begreifen geschichtlicher Entwicklungen und deren Auswirkung auf die Völkerverständigung sowie das Erkennen von Interessenskonflikten und deren Auswirkung auf politisches Handeln gerichtet.

 

Seit mehreren Jahren veranstalten die in Form einer Kleinvernetzung innerhalb des Donauprojekts kooperierenden UNESCO-Projektschulen, St.-Bonaventura-Realschule Dillingen und Ludmilla-Realschule Bogen, regelmäßig einen gemeinsamen Donautag, abwechselnd in der Region Dillingen und Bogen.

 

       
Isarmuendung_Flora Wasserprobe
Naturschutzgebiet
Isarmündung
Wasserprobe von der Flussmitte der Donau
Praesentationen Faehre_Thundorf
Präsentation der Arbeitsergebnisse Fährüberfahrt nach Thundorf
Eurovea Eurovea_Donaupromenade
Bratislava - Stadteil "Eurovea" an der Donau
Altstadt Blick_ueber_die_Stadt
Bratislava - Altstadt
Donau_bei_Cunovo Danubiana
Gestauta Donau bei
Cunovo
Danubiana Meulensteen Art Museums, Cunovo
Entnahme_von_Wasserproben Erste_Analyse_der_Proben
Entnahme von Wasserproben an der "Kleinen Donau"
Erste Analyse der Proben vor Ort

 

Vorbereitung in Niederalteich

 

So trafen sich dieses Jahr als Vorbereitung für das Projekttreffen in der slowakischen Hauptstadt 18 Schülerinnen und Schüler aus Dillingen und Bogen zusammen mit 3 Lehrkräften für 2 Tage im niederbayerischen Niederalteich zum Donautag 2011.

 

Den zentralen Programmpunkt bildete heuer die Erkundung des Naturschutzgebiets Isarmündung. Die letzten Kilometer vor ihrer Mündung in die Donau hat die Isar eine einzigartige Auenlandschaft geschaffen, welche ausgehend vom „Infohaus Isarmündung" unter fachkundiger Leitung von den Schülern erkundet wurde. Aber nicht nur die typischen Lebensräume der Auenlandschaft, wie Fließgewässer, Altwässer, Auwald, Feuchtwiesen und Brennen wurden vor Ort in Augenschein genommen, thematisiert und diskutiert wurden darüber hinaus die möglichen Auswirkungen der einzelnen Varianten des geplanten Donauausbaus auf das Ökosystem an der Isarmündung.

 

In diesem Zusammenhang stand auch die Exkursion nach Thundorf, von Niederalteich mit der Donaufähre zu erreichen, wo den Schülern deutlich wurde, wie sehr der Strom seit Jahrhunderten das Leben der Menschen bestimmt und prägt, gerade bei Hochwasser jedoch auch gefährdet.

Dass „Leben am Strom" kulturelle Vielfalt beinhaltet, erlebte die Schülergruppe in der Abtei Niederalteich, die zwei kirchliche Traditionen pflegt. Hier bot sich die Gelegenheit, während einer geführten Besichtigung der Basilika und der Nikolauskirche die Unterschiede des römischen und byzantinischen Ritus kennenzulernen.

 

Projekttreffen in Bratislava


Mit den Arbeitsergebnissen aus Niederalteich sowie etlichen Kanistern Donauwasser aus Dillingen, Regensburg, Bogen und Niederalteich im Gepäck, die man im Labor der Spojená škola zu analysieren beabsichtigte, machte sich die Projektgruppe mit vier Lehrkräften dann am 29. Mai 2011 auf den Weg nach Bratislava, um im Rahmen der Ausweitung des nationalen Donaunetzwerkes der UNESCO-Projektschulen auf internationaler Ebene die gewonnen Erkenntnisse in einen interkulturellen Kontext zu stellen.

Zu diesem Zweck hatten Lehrkräfte der slowakischen UNESCO-Projektschule in Bratislava ein vielfältiges und interessantes Programm erarbeitet, dessen thematischer Schwerpunkt die kulturellen, ökologischen sowie ökonomischen Aspekte des großen europäischen Stroms in der Slowakei bildeten.

 

Die Hauptstadt der Slowakei, nahe des Dreiländerecks mit Österreich und Ungarn gelegen, wird von der „Dunaj" von West nach Südost durchflossen, welche die Grenze zwischen der sich linksufrig ausbreitenden slowakischen Donautiefebene und der von dem im Stadtgebiet beginnenden Gebirgszug der Karpaten markiert. Nach etwa 40 Jahren Kommunismus war Bratislava 1989 eines der Zentren der „Samtenen Revolution", die letztendlich zum Sturz des kommunistischen Regimes führte. Weitere wichtige Eckpunkte der bewegten slowakischen Geschichte sind die einvernehmliche Teilung der tschechischen Föderation in zwei unabhängige Teile sowie der EU-Beitritt im Jahre 2004 und die Euro-Einführung 2009. Nahegebracht wurden diese Fakten den deutschen Schülern m Rahmen einer interessanten Stadterkundung zu Wasser und zu Lande in Begleitung ihrer slowakischen Partner. Aber nicht nur Historisches galt es zu erfahren, augenfällig wurden vor allem die sichtbaren Zeichen des wirtschaftlichen Aufschwungs der Gegenwart in Form von reger Bautätigkeit im Stadtbereich. Einerseits zeichnet eine immer

größer werdende Zahl von Bürohochhäusern eine neue Skyline der Stadt, andererseits setzt das moderne Donausstadtviertel "Eurovia" mit einer attraktiven Flaniermeile entlang der Donau, zahlreichen Einkaufsgalerien, Hotels und kulturellen Einrichtungen einen sichtbaren Kontrapunkt zu den engen Gassen der sanierten Altstadt.

 

Staustufenverbund Gabčíkovo-Nagymaros

 

Eine weitere Exkursion führte die Projektgruppe in den Stadteil Čunovo. Hier zweigt ein fast 40km langer und bis zu 700m breiter Donaukanal vom Hauptstrom ab. Dieser fließt parallel zu alten Donau und leitet etwa 80 Prozent des Donauwassers dem Kraftwerk Gabčíkovo zu. Dieser massive Eingriff in den Flussverlauf wurde den Schülern am Wasserwerk Čunovo, an welchem sich der klägliche Rest der Donau vom riesigen Kanal trennt, deutlich vor Augen geführt. Angesichts der unübersehbaren aufgestauten Wasserfläche des Donaukanals wird erkennbar, wie sich das ursprüglich geplante Staustufensystem Gabčíkovo–Nagymaros auf die gesamten Region ausgewirkt hätte. Etwa 120km unterhalb des Kraftwerks Gabčíkovo sollte ein zweites im ungarischen Nagymaros entstehen. Hierzu wäre eine Kanalisierung der Donau auf einer Länge von über 200 Kilometern notwendig geworden. Ungarn stoppte schließlich aus finanziellen und ökologischen Erwägungen dieses Projekt und stellte das Kraftwerk Nagymaros nicht fertig. Der Konflikt um die Nichteinhaltung internationaler Verträge im Zusammenhang mit diesem Stausystem schwelt bis heute.

Die Nutzbarmachung des Flusses durch den Menschen wird darüber hinaus in Cunovo daran deutlich, dass die gesamte Region den Einwohnern von Bratislava als Naherholungsgebietes dient und sich gerade hier eine Freizeitindustrie etabliert hat, die unzählige Wassersportarten und die dazu notwendige touristische Infrastruktur anbietet. Fast ein wenig grotesk erscheint im Hinblick auf diesen touristischen Rummel die Errichtung des "Danubiana Meulensteen Art Museums" mit einem beeindruckenden Skulpturengarten auf einer künstlichen Halbinsel im Fluss.

 

 

Wasseruntersuchung und Theaterworkshop

 

Fail & Hope Fail & Hope
Fail & Hope "Fail & Hope"

Aber nicht nur Exkursionen standen auf dem Programm, auch intensive Laborarbeit in den Einrichtungen der Spojená škola war angesagt, schließlich hatte man Donauwasserproben aus unterschiedlichen Orten im Gepäck, die auf eine Analyse warteten. Zunächst begab sich die Projektgruppe jedoch auf den Weg zur "Kleinen Donau" unweit der Schule, um vor Ort Wasserproben zu entnehmen und diese mit den mitgebrachten zu vergleichen. Die "Malý Dunaj" ist ein 120km langer Donauarm, der in Bartislava vom Hauptarm abzweigt, bei Kolarovo in die Waag und dann zusammen mit ihr bei Komarno wieder zurück in die Donau fließt. Sie bildet die "Große Schüttinsel", die mit einer Fläche von über 1800 km2 die größte Flussinsel Europas ist.

 

Ein besonderes Highlight der Projekttage in Bratislava stellte der Theaterworkshop „Fail & Hope" dar, durchgeführt von Heinz-Jürgen Rickert, Regionalkoordinator der niedersächsischen UNESCO-Projektschulen, der zusammen mit seinem Assistenten Philip Pankow aus Lüneburg angereist war. Rickert entwickelte bereits zahlreiche Projekte für den Europäisch-Arabischen Dialog mit Kooperationspartnern im Nahen und Mittleren Osten, Partnerschaftsprojekte in Brasilien und Afrika, sowie Aktionen für die Nachhaltigkeitsdekade der Vereinten Nationen. Zusammen mit den Schülern erarbeitete Rickert in Bratislava sieben Sequenzen, in denen, unterstützt durch Videoinstallationen und Musik, die Abhängigkeit des modernen Menschen von fremden und eigenen Ansprüchen sowie der Forderung nach immer mehr Effizienz, Mobilität und Flexibilität, was letztendlich nur zu einem physischen und psychischen Scheitern führen kann, auf eindringliche Art dargestellt wurde.

 

Drei Tage interkulturelles Lernen im Rahmen der Auseinandersetzung mit dem Thema „The Danube - life along the riverside" prägten das Projekttreffen und fanden seinen Niederschlag nicht nur in neuen Erkenntnissen aller Teilnehmer, sondern auch im freundschaftlichen Miteinander zweier Kulturen und dem Bewusstseins um die Donau als "Strom der europäischen Einheit".